Seminarleitende im Interview - Eva Wieprecht

 
 

Für unsere neue Interviewreihe haben wir unsere Seminarleitenden folgende Fragen gestellt:

  1. Was war mir in meinem Leben schon immer wichtig? Wofür setze ich mich ein? Was will ich in die Welt bringen?

  2. Wie zeigt sich dies in meiner heutigen Arbeit? Wie wird das in meinem Seminar im Metaforum SommerCamp für die Teilnehmenden spürbar?

Die Suche nach dem Schönen, Wahren und Lebendigen beschäftigt Eva Wieprecht zeitlebens. Dies prägt auch ihr Seminar „Familienrekonstruktion nach Virginia Satir“, in dem die Teilnehmenden sich gegenseitig bereichern und als ganze Menschen erfahren dürfen.

Was war mir in meinem Leben schon immer wichtig? Wofür setze ich mich ein? Was will ich in die Welt bringen?

Schon immer in meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung habe ich mich der Suche nach dem Schönen, Wahren und Lebendigen gewidmet. Virginia Satir, die Mutter der Familientherapie und Friedensaktivistin, hat diesbezüglich mal den Begriff geprägt, dass wir uns selbst und unseren Klient:innen dabei helfen, „vollkommen menschlich“ zu werden. Auf dieser Entwicklungsreise geht es darum, uns selbst so zu begegnen, dass wir unsere 5 Freiheiten, in friedvoller Begegnung mit anderen Menschen leben können. Diese 5 Freiheiten beschreibt Virginia Satir mit der Kapazität, unsere Sinne zu nutzen, und zu sehen und hören, was wirklich da ist, anstelle davon, was sein sollte, zu fühlen, was wir fühlen, anstatt Gefühle als gut oder schlecht zu bewerten, zu sagen, was es zu sagen gibt, anstatt auf die Erlaubnis von anderen zu warten, danach zu fragen, was wir brauchen, anstatt darauf zu hoffen, dass unsere Bedürfnisse von anderen erfüllt werden, und die Freiheit, Risiken einzugehen, anstatt immer auf Nummer sicher zu gehen.

Schon als kleines Mädchen habe ich persönliche Erfahrung dem Rat meiner Eltern vorgezogen, so bin ich als 5jährige auf das 5-Meter-Brett geklettert und ins Schwimmbad gesprungen, um zu wissen, wie es sich anfühlt, und ob es sich für mich lohnt, die Erfahrung zu wiederholen. Als 6jährige habe ich wildfremde Personen auf dem Flughafen mit den Worten: „excuse me toilette“ angesprochen (bevor ich englisch in der Schule gelernt hatte), um selbstbestimmt den Weg zur Toilette zu finden. Schon als kleines Mädchen wusste ich genau, welche Kleidung mir gefällt, und hatte meinen eigenen Geschmack, der schwer von außen beeinflussbar war. Diese und ähnliche alte Anekdoten erzählen bis heute voller Freude meine Eltern, um meine Persönlichkeit zu beschreiben. Aus der elterlichen Sicht war es wohl schwer, mich zu zähmen. Meine Freunde sagen zu mir, dass ich so eine Art Mary Poppins für sie sei. Nach unserer Begegnung sei es immer ein wenig anders als zuvor, und in jedem Fall ein wenig farbenfroher und lebendiger. Aus meiner eigenen Sicht lebe ich nach dem Motto: „aus Erfahrungen wird man klug, drum ist eine nicht genug“. Sicher hat mich die Suche nach dem Wahren, Schönen und Lebendigen immer begleitet, und so habe ich durch die Arbeiten von Virginia Satir in Kombination mit meinem Hintergrund als Tänzerin und der Lust am lebenslangen Lernen meinen heutigen Ansatz zu einem Arbeits- und auch Lebensmotto verwebt. Ferner beschäftigt mich fortgesetzt die Frage, wie man das eigene Leben als Kunstwerk des Lebendigen verstehen kann und allen Erfahrungen einen positiven Sinn verleiht, um selbst ein Modell der Freiheit, Schönheit und Lebendigkeit zu sein. Vor allem geht es mir darum, im Ergebnis inneren Frieden und innere Akzeptanz zu kultivieren, da ich mir eine Welt des Friedens wünsche, und der beginnt mit dem inneren Frieden.

 Wie zeigt sich dies in meiner heutigen Arbeit? Wie wird das in meinem Seminar im Metaforum SommerCamp für die Teilnehmenden spürbar?

In meiner Arbeit, mit der ich bereits seit einem Jahrzehnt beim Metaforum beitragen darf, lade ich Teilnehmende dazu ein, sich selbst zu begegnen, um mit mir auf eine Abenteuerreise Reise zur inneren Freiheit und Aufrichtigkeit zu kommen. Dabei geht es vor allem darum, sich in seiner Vollständigkeit zu begegnen (vollständig lebendig werden). Die eignen Licht- und Schattenseiten werden liebevoll eingeladen, auf der Bühne des Erlebens zu erscheinen, um mögliche Blockaden aufzulösen, ungenutzte Ressourcen freizulegen, Zielen den Weg des Erfolges zu ebnen und innere Freiheit und Frieden zu nähren.

Die Methoden, die ich dazu nutze, setzen sich humorvoll und lustvoll aus einer Kombination von Theaterelementen, Psychodrama, Meditation, Symbolarbeit, Generativer Trance, Storytelling, Parts Party und Tanz zusammen. Gerne dekoriere ich den Raum kunstvoll mit Symbolen, die dazu einladen sollen, sich willkommen geheißen zu fühlen und den Geist des Spieles zu erwecken. Ergänzende kulturbildende Maßnahmen wie geheimer Freund, Wahl einer Lernfamilie, Schutzengel Freunde etc. runden den Rahmen dabei ab, um die Teilnehmenden in einen positiven Kontakt miteinander zu bringen. Manche meiner Teilnehmenden vergangener Kurse sind bis heute in Freundschaft verbunden, zum Teil haben Arbeitsprojekte ihren Ursprung im Kurs genommen. Dies ist sicherlich der Tatsache geschuldet, dass wir uns im Verlauf des Kurses in unseren Schönheiten, Größen und Verletzbarkeiten begegnen, und so echte Nähe entsteht. Was ich bereits vorab zu jedem Kurs weiß: Dass die Konstellation der Gruppe nicht dem Zufall überlassen ist. Dass genau die Teilnehmenden, die zusammenkommen, perfekt füreinander sind. Dass jede/r ein Geschenk für die Gruppe und mindestens eine/n Teilnehmer:in mitbringt, und dass ich als Choreographin des Prozesses jede/r einzelne Teilnehmer:in in ihrer Schönheit, Wahrheit und Lebendigkeit erlebe, und damit eine Begegnung tiefer Liebe für die Person und das Leben entsteht.

Weitere Interviews findest gibt es in unserem Journal.